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Wenn man gerne nur fliegt (also jetzt mit einem Modell in der Luft)
und dabei auch den eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten
entsprechend gewisse Herausforderungen sucht, so greift man bei
dem dazu erforderlichen Gerät eher auf Bewährtes zurück
und möchte weniger Zeit damit verbringen neues Unerprobtes
oder aufwändige Experimente in Sachen Konstruktion irgendwie
dazu zu bringen, dass sie beinahe so gut fliegen wie das eine oder
andere Modell, das schon einigen Experten auch einige Pokale gebracht
hat. Das war also die Motivation für den Erwerb des Smaragds.
Dass es sich dabei doch um Aufwändiges handelt, merkt man zuerst
einmal am Preis von ca. 1.000,- EUR für den „Bausatz“.
Fairerweise muss dazu bemerkt werden, dass sich dieser in gutem
Durchschnitt vergleichbarer F3A-Kunstflugmodelle bewegt. Dann merkt
man es an der Lieferzeit, die französische Werkstätte
PL-PROD musste schon zumindest einmal angemailt werden um die ursprünglich
erwähnte Lieferfrist nicht überhaupt ganz zu vergessen,
sondern nur zu verdoppeln. Wenn das Ding dann endlich da ist, so
merkt man es schließlich an der Qualität und an der Art,
wie in erster Linie beim Rumpf die Materialien Kohle, Kevlar (Aramid)
und Glasfaser eingesetzt und verarbeitet sind.
Die Teile sind, so wie sie ankommen,
ziemlich ursprünglich: Der Rumpf, so wie er aus der Form kommt,
wobei das in früheren Berichten festgestellte Problem der Blasen
unter dem Gelcoat (das sind kleine Hohlräume unter der obersten
weißen Deckschicht, die manchmal erst nach fertiger Lackierung
bei Druck aufplatzen und dann das Finish verunzieren) nur mehr an
ein oder zwei Stellen aufgetreten ist. Es empfiehlt sich aber unbedingt
den Rumpf vor allem im vorderen Bereich an Kanten und engen Krümmungen
mit dem Fingernagel abzudrücken, dabei können diese Fehlstellen
registriert und rechtzeitig vor dem Finish ausgespachtelt werden.
Die Flächen bekommt man „frisch
gepresst“, konventioneller Styrokern mit Balsabeplankung,
dazwischen vielleicht irgendwo auch ein Gewebe (nicht feststellbar,
ohne die Flächen zu zerstören), ohne Nasenleisten und
Randbögen, aber immerhin so gerade abgeschnitten, daß
die mitgelieferten Leisten und Klötze vorne und am äußeren
Ende der Flächen ohne Nacharbeitung des Flächenkerns gleich
stumpf angeklebt werden können. Dann steht der handwerklichen
Kreativität bei der Bearbeitung von Balsa nichts mehr im Wege.
Für die Nasenleiste empfiehlt es sich Schablonen anzufertigen.
Um günstige Abrisseigenschaften zu erreichen sind diese an
der Wurzel eher stumpf und am Flächenende spitz auszuformen.
Höhenleitwerk und Seitenruderblatt sind ebenso zu vervollständigen,
die Nasenleiste am Höhenleitwerk generell möglichst stumpf.
Querruder- und Höhenruderblätter sind immerhin vom Werk
angeritzt und müssen ausgeschnitten und verkastet werden. Selbstverständlich
werden alle dazu erforderlichen Balsaleisten und –Klötze
mitgeliefert.
Sie gehören zwar nicht zum
Grundstandard (was sie eigentlich sollten), sind aber unbedingt
zu empfehlen: Spanten und Einbauteile aus Kevlar-Wabe. Sie sind
extrem leicht, werden mit Filzstiftmarkierungen für noch herzustellende
Ausschnitte und grob zugeschnitten auf gesonderte Bestellung geliefert,
müssen nachgearbeitet und in den Rumpf eingeharzt werden und
verleihen diesem eine sehr gute Steifigkeit bei geringstem Gewicht.
Somit wird der Rumpf eine reine GFK-Konstruktion ohne jeglichem
Holz (Dieses Material wurde bei meinem Modell erst nachträglich
in Form einer ganz dünnen austauschbaren Sperrholzplatte als
Hitzeschutz unter dem Auspuffkrümmer eingebaut). Auf den weiteren
Zusammenbau, der sich übrigens auch nicht ganz ohne zeitlichem
Aufwand bewerkstelligen läßt und der in der mitgelieferten
Bauanleitung ausreichend beschrieben ist, soll hier nicht eingegangen
werden, nur soviel: Um einen abrupten und viel zu frühen Abgang
des Modells durch Ohrenanlegen (das ist Flächenbruch bei Extrembelastung)
zu vermeiden, sollte das Ende der werkseitig eingeharzten Flächensteckung
aus Kohlefaser-Rohr in der Fläche unbedingt zusätzlich
mit der oberen und unteren Beplankung ausreichend verkastet werden,
und zwar so, daß diese Verkastung mindestens 5 cm weiter als
das GFK-Rohrende in Richtung Randbogen hineinragt. Das Rohrende
bildet nämlich mit dem auf gleicher Linie liegenden Querruderausschnitt
eine Sollbruchstelle. Ich war Zeuge, wie sich das Modell „Excellence“
aus gleicher Werkstätte mit gleicher Konstruktion einmal aus
diesem Grund bei einem Wettbewerb beim Abfangen aus dem Sturzflug
in den Rückenflug verabschiedet hat.
Eine weitere gute Empfehlung ist
es das steckbare Höhenleitwerk ca. 7mm höher als die vorgegebene
Markierung am Rumpf anzubringen, kommt den Kunstflugeigenschaften
(angeblich) sehr zu Gute. Ich habe es jedenfalls so gemacht und
bin zufrieden. Diesen Tip – so wie viele andere sehr gute
Tips für den Zusammenbau – verdanke ich meinem Freund
und allseits bekannten und sehr hilfsbereiten Kunstflieger Dieter
Motzko (das ist derjenige, der genauso aussieht wie sein Zwillingsbruder
Helmut und auch fast ganz genauso fliegt, dabei schwindle ich mich
um ein Werturteil herum, das ist bei Wettbewerbspiloten immer heikel.
Sie fliegen beide super!).
Generell wurde auf Gewichtsminimierung
geachtet, ein Fertiggewicht von 4,20 kg ist angeblich leicht zu
erreichen (meiner hat 4,40 kg und geht auch). Manchmal hat man auch
ganz gerne etwas Schwereres in der Luft, vor allem bei stärkerem
Seitenwind, der bei uns ziemlich häufig vorkommt. Dann sollte
das Modell nicht wie ein welkes Blatt im Wind verweht werden, und
der Motor ist allemal stark genug!
Zum Konzept und zur Konstruktion
ist noch allgemein zu erwähnen, dass es sich bei gegenständlichem
Modell um einen sogenannten sehr leichten „Dickflieger“
für „konstant-speed-Flug“ handelt: Mit möglichst
voluminösem Rumpf soll einerseits ausreichender Widerstand
im senkrechten Sturzflug erreicht werden, andererseits soll durch
die Leichtigkeit gute Steigflugeigenschaft ermöglicht werden,
sodass sich im Idealfall das Modell genauso schnell senkrecht aufwärts
wie senkrecht abwärts bewegt. In der Flugpraxis kommt es diesem
Ideal ziemlich nahe, was beim Figurenfliegen einen ruhigen und harmonischen
Flugstil ermöglicht und bei den Punkterichtern gut ankommt.
Allerdings ist auch der Rumpf auf der Unterseite so leicht und dünn,
dass er sich leicht eindrücken lässt und dort nur sehr
vorsichtig angegriffen werden darf.
Die laut Kunstflugreglement mit
2m limitierte Spannweite ist mit 1, 87m doch erheblich unterschritten.
Dies hat grundsätzlich 2 gegensätzliche Auswirkungen:
einerseits sind dadurch die Rolleigenschaften verbessert, weil sich
weniger langes und weniger Masse um den Rumpf herum bewegen muss,
andererseits wird das Modell dadurch auch wieder schneller, was
dem Bestreben nach „constant speed“ entgegenwirkt. Der
Konstrukteur Wolfgang Matt, auch Schöpfer der erfolgreichen
Modelle Saphir und Rubin, (hat sich viele Jahre lang mit Hanno Prettner
um die Weltmeisterschaft duelliert und ist noch immer aktiv), hat
sich fürs erste entschieden und nahm das zweite in Kauf. Damit
ist er dem Konzept des „leichten Dickfliegers“ konsequent
treu geblieben, die Flugpraxis gibt ihm Recht, das Modell fliegt
ausreichend langsam um genug Zeit für das Aussteuern von Kunstflugfiguren
zu haben.
Die Ideale Motorisierung ist ein
4- Takter, jetzt ohne Werbung machen zu wollen der „Yamada
YS 140 Limited“. Der „YS Dingo“ geht natürlich
auch, ist zwar einerseits geringfügig leistungsstärker,
aber auch teurer, heikler und nicht unbedingt notwendig. Propeller
APC 14/12 „W“, dann geht`s schon dahin! Ausreichend
Nitromethan im Sprit nicht vergessen! An den Flugeigenschaften ist
dann kaum etwas auszusetzen, wenn die Figuren trotzdem irgendwie
krumm oder verwackelt werden, so liegt es wahrscheinlich am oben-unten-links-rechts-
Problem des Piloten, nicht am Flieger!
Das Modell ist nicht schwer zu
fliegen, es macht genau das, was der Pilot steuert.
Natürlich gibt es bereits
Nachfolgermodelle wie „Partner“ und „Lazulite“
von PL-PROD, die Entwicklung bleibt nicht stehen. Mit dem SMARAGD
hat man aber eine ausgereifte Konstruktion, mit der man klassischen
Kunstflug betreiben kann und an der man lange Zeit viel Freude hat.
Michael Mann
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