F3A - Die Elektrifizierung der Königsklasse
Funktionen

Viele
meinen, dass mit der Entwicklung und dem Erscheinen der Lithium-Polymer-Akkus am Markt eine neue Ära des Modellfluges angebrochen ist. Wieweit sich diese Hoffnungen, Erwartungen oder Befürchtungen bewahrheiten – und ob das nun wirklich ein solch dramatischer Entwicklungssprung war - wird die Zukunft weisen, Tatsache ist heute, dass bereits viele internationale Wettbewerbspiloten - und nicht nur „Spitzenflieger“ - mit diesem Strom (und nicht „gegen den Strom“) fliegen, und das nicht schlecht.
Die Idee ein Standard – F3A - Modell mit einem E-Antrieb der neuesten Technologie auszurüsten, ist daher nahe liegend und wollte bereits in der Saison 2003 unser Spezialist auf dem Gebiet des Elektrofluges, Franz, in Angriff nehmen. Es sollte ein Gemeinschaftsprojekt werden, Franz stellte die Antriebseinheit und sein entsprechendes sehr umfassendes Now-How zur Verfügung, ich sollte das Modell dazu bauen. Interessant wäre z.B. ein „Smaragd“ oder ein ähnliches erprobtes Wettbewerbsmodell wie z. B. „Synergy“ gewesen, da aber ein fast fertiger „JR“- Spinell gerade greifbar und die Zeit bereits fortgeschritten war, fiel die Wahl auf dieses Modell, zumal auch mit dem Vorgänger „Turmalin“ von Ewald Trumpp recht gute Erfahrungen gemacht wurden. Es war zu hoffen, dass die Konstruktion zumindest brauchbar sein wird.
Das Modell wurde also an einem Sonntag im März im Original-Auslieferungszustand abgeholt. Er sah auch sehr fertig aus, alle Teile wie auch der Rumpf fertig mit Folie bebügelt, die Flächen und das Höhenleitwerk sehr sauber verarbeitet. Die Steckungen für Flächen und Höhenleitwerk bereits fertig eingepasst, die Geometrie war also vorgegeben. Wurde vor dem endgültigen Zusammenbau von mir auch nicht kontrolliert: „Er baut sie sehr genau“, sagte mein Fliegerfreund, als er mir das Modell übergab.
Zuerst wurden alle Einzelteile abgewogen und die Gewichte addiert. Mit der vorgesehenen Antriebseinheit kamen dann unterm Strich deutlich mehr als die gebotenen 5,000 kg heraus. Gewichtseinsparungen waren also angesagt.
So wurde der Rumpf zuerst einmal abgehäutet und die Beplankung überall, wo es möglich war, ausgeschnitten. Das brachte wahrscheinlich die entscheidenden 45g, die das fertige Modell dann letztendlich unter dem Maximalgewicht von 5,000 kg geblieben ist. Weitere überflüssige Holzteile wie der Großteil des Motorspantes und Teile weiterer Rumpfspanten wurden ebenfalls entfernt, wie sich später zeigte ohne negative Einflüsse auf die Festigkeit.
Dann wurde eine Motoraufhängung konstruiert, bestehend aus 3 Kohlerohren mit 6mm Außendurchmesser und einer 2mm dicken Front-Montageplatte aus CFK, die in die fix zu montierende GFK-Haube eingeharzt wurde. Einfach, aber stabil und nicht zu schwer, hat sich bewährt. Der vorgegebene Motorsturz und Motorseitenzug wurde übernommen.
Die Servos für Höhen- und Seitenruder wurden hinten im Rumpf knapp vor dem Höhenleitwerk eingebaut.
Ein leichter CFK – Kohlespinner Durchmesser 90 mm wurde nachgebaut, als Luftschraube wurde ein leistungsoptimierter Klapppropeller 20“x13“ von Freudentaler eingesetzt; die Erstausstattung des Antriebes bestand aus dem Lehner-Motor 1940 und den Akkus 25,9V / 7500 mAh.
Das Modell wieder fertig zusammengebaut ging es an einem – Tag zum spannenden Erstflug.
Die Zeit war bereits fortgeschritten, es wurde dämmrig und so konnten nur 2 oder 3 zaghafte kurze Flüge absolviert werden, mit anschließenden Messungen der Akkus, die alles im grünen Bereich anzeigten. Immerhin ein erster Erfolg, der mit Sekt begossen werden konnte.
Bei den anschließenden Flügen wurde das Modell nun etwas härter heran genommen und einige Figuren aus dem F3A Programm P05 geflogen, dabei zeigte sich leider, dass das Gelingen einer halbwegs harmonischen Figur doch eher Glückssache ist. Das lag nicht nur am Piloten, das Modell hat dabei auch seinen wesentlichen Anteil: Sackt durch, weicht in alle Richtungen von der Geraden ab, dreht im Messerflug weiter auf den Rücken, und benötigt für einen geraden Flug einen erheblichen Höhenruderausschlag nach oben.

Nun
wurde zum ersten Mal die Geometrie des Modells doch etwas näher unter die Lupe genommen, dabei zeigte sich unter anderem, dass die vorgegebene EWD – nicht Null, sondern sogar geringfügig negativ war. Die Flächen waren absolut gerade, ohne jegliche V-Form, nach der Devise „wenn alles absolut gerade ist muss das Modell auch gerade fliegen“.
Die Nasenleiste der Flächen durchgehend fast „messerscharf“.
Es flog wie der bekannte „nasse Schwamm“. An dieser Stelle muss ich doch erwähnen, dass diese negativen Erscheinungen sicherlich nicht auf Unzulänglichkeiten oder Fehler des Konstrukteurs und Weltklassepiloten Ewald Trumpp zurückzuführen sind, ich habe sowohl ihn selbst bei einem F3A-Bewerb in Schärding exzellent als auch andere Wettbewerbspiloten gut mit dem Modell fliegen gesehen. Es liegt wahrscheinlich teils daran, wie die Konstruktion schließlich vom Hersteller meiner konkreten Ausgabe „interpretiert“ wurde, als auch am hohen Gewicht und der niedrigen Geschwindigkeit, mit der ich das Modell bewegte, dafür war es einfach nicht vorgesehen.
Die EWD konnte mit einem geringen Eingriff und mit Hilfe einer EWD-Waage auf das Maß von ¼ Grad positiv korrigiert werden, das Modell war aber noch immer weit von einer Wettbewerbstauglichkeit entfernt. Eine Korrektur der V-Form der Flächen war nicht möglich, da es sich um Steckflächen handelt. Es flog auch nach wie vor sehr labil um die Längsachse und drehte im Messerflug weiter. So wurde das Modell in der Saison 2004 zum Testen der Antriebseinheit und der Akkus verwendet.
Die Motorleistung war zwar vorhanden, aber für F3A noch nicht ausreichend, ein gerader senkrechter Steigflug mit integrierter gerissener Rolle, wie es im damaligen Programm gefordert ist, gelang nicht wirklich, nach der gerissenen Rolle stand das Modell praktisch still in der Luft.
Bei einer etwas härteren Landung, hervorgerufen durch einen abrupten Abriss bei einem zu langsamen Landeanflug, verdrehte sich das Fahrwerk mitsamt dem im Rumpf „befestigten“ Spant, der, wie sich herausstellte, mit der Rumpf-Seitenwand gar nicht verklebt war. Der Schaden wurde repariert und der Rumpf im Bereich der Fahrwerksaufnahme mit Kohle verstärkt, seither hat er auch weitere nicht ganz sanfte Landungen unbeschadet überstanden.

In der
für das Fliegen zwar „toten“, für das Bauen aber sehr aktiven anschließenden Wintersaison 04/05 wurde radikal umgebaut: Neue Flächen mit geänderter Geometrie und leichter V-Form wurden konstruiert, die Nasenleiste zumindest an der Wurzel recht rund und stumpf, das schwere Alu-Steckrohr D = 30mm durch ein leichtes Kohlefaserrohr D = 24 mm ersetzt. Der Rumpf wurde der Länge nach „gespalten“ und durch Einsetzen von Zwickel und Passstücken im mittleren Bereich um 34 mm erhöht. Ein wesentlich größeres Seitenruderblatt wurde verpasst. So wurde aus der „Spinell“ die „Spin“. Als Antrieb wurde nun die von Franz rechnerisch als optimal ermittelte Kombination Lehner-Motor 2230 und 6:1 Getriebe eingesetzt. Die Energie lieferten 12 in Serie geschaltete Kokam 3200 Zellen. Propeller nach wie vor Freudentaler 20/13. Nun ging es wieder einmal an einem späten Nachmittag zu einem neuen Erststart.

Es
war jetzt wirklich ein ganz anderes Modell. Der Messerflug ging in beiden Richtungen schnurgerade, die Motorleistung ließ absolut nichts zu wünschen übrig, die Figuren konnten trotz noch immer hohem Gewicht groß und kraftvoll geflogen werden und wurden auch halbwegs ansehnlich, wenn sich der Pilot nicht „verkofferte“. Die Leistung blieb auch über die gesamte zeitlich voreingestellte Flugzeit uneingeschränkt erhalten und stand den vergleichbaren Hochleistungs-Verbrennern um nichts nach; wenn sie nicht etwas höher war. Lediglich beim Abfangen aus dem Sturzflug zeigte sich nach wie vor eine gewisse Tendenz zum seitlichen wegkippen, es musste also bereits in der Endphase der senkrechten Passage vorsichtig Gas hinein geschoben werden um diesen Effekt zu vermeiden. Die Labilität um die Längsachse beim langsamen Geradeausfllug mit wenig „Gas“ war auch noch spürbar, besonders bei unruhigem Wetter, und war ein bis zuletzt nicht zu beseitigendes Manko –Begleiterscheinungen des hohen Gewichtes von nur ganz knapp unter 5 kg und möglicher weise noch immer die Aerodynamik der Flächen, die nicht zu dem hohen Gewicht passte.

Jetzt sollte
das Modell mit Antrieb also im Wettbewerbseinsatz getestet werden.
Vorher gab es noch bei Testflügen einige kleine Pannen, so wurde der Kohlespinner einmal im Flug abgeworfen (und erstaunlicherweise unversehrt sogleich wieder gefunden) – und unmittelbar darauf beim nächsten Start vom Propeller zerfetzt, weil das nur klemmbare Propellermittelstück der Klappluftschraube auf der 6 mm Antriebswelle einfach zu wenig Halt hatte und durchdrehte – und somit auch die Antriebswelle des Getriebes zerstörte, die danach tiefe Einkerbungen zeigte. Die Luftschraube wurde daraufhin samt Mittelstück mit einem massiven (und leider auch schwereren) Spannkonus auf einer neuen getauschten Welle befestigt, diese Konstruktion hielt bis zuletzt allen Belastungen stand.

Der Wettbewerbseinsatz erfuhr die Taufe im wahrsten Sinne des Wortes in einem Regenflug im ersten Durchgang des RC III – Bewerbes in Bockflies. Die Wertungen waren dementsprechend schlecht, die beiden anderen Durchgänge aber doch um ein Wesentliches besser, Platzierung letztendlich an 6. Stelle von 13. Die Konzeption hat sich also durchaus als tauglich erwiesen.

Der nächste Einsatz war der F3A-Bewerb in Schärding. In dieser Klasse ist das Leistungsniveau doch um eine Kategorie höher. Auch hier war ein Durchgang verregnet, in der Gesamtwertung an 16. Stelle von 22 Teilnehmern. Es zeigte sich bei diesem Bewerb, dass die Antriebseinheit einer der stärksten war. - Aber leider nicht dem gültigen Reglement entsprach: Mit 12 Zellen in Serie lagen wir mit der Spannung von 50,4 Volt im voll geladenen Zustand um einiges über den zulässigen 42 V. Also musste umdisponiert werden. Geflogen wurde ab nun mit 10 Zellen in Serie, Kapazität 3200 mA, und mit einem anderen Motor der 2230 Klasse jedoch geringerer Windungszahl.

Die Leistung
war in dieser Konfiguration die gleiche wie vorher, das um 2 Zellen geringere Gewicht machte sich deutlich positiv bemerkbar. So konnte der nächste RC III- Bewerb in Laa an der Thaya recht erfolgreich absolviert werden, in der Gesamtwertung 4. Platz, in der herausgewerteten NÖ Landesmeisterschaft konnte diesmal „mit Strom“ der erste Platz erreicht werden.
Der Motor wurde bei den hohen Lufttemperaturen von über 35 Grad aber sehr heiß und lief teilweise doch über seinem Limit, das wurde auch einmal deutlich, indem sich das auf der Motorwelle aufgeklebte Ritzel aufgrund der hohen Temperaturen löste.
Daraufhin wurde der Motor ersetzt durch einen Lehner 2240, der bis zum Schluss der Saison anstandslos lief, hohe Leistung brachte und nicht überhitzte. Negative Begleiterscheinung waren das höhere Gewicht von 637g von Motor mit Reisenauer-Getriebe 6:1 und die geringere Laufzeit mit nur 10 Zellen mit 3200mA. Das Gesamtgewicht der Maschine lag nun wieder nur mehr ganz wenige Gramm unter 5 kg. Nach knapp 7 Minuten Flugzeit war unbedingt Landen angesagt um eine Tiefentladung des Akkus zu vermeiden. Das reichte zwar für das RC III – Programm, war aber für F3A zu wenig. Immerhin konnte die Saison so mit dem 5. Platz von 16 Teilnehmern beim letzten RC III – Bewerb in Neusiedl gut abgeschlossen werden.
Eingesetzt wurden 2 gleiche Akkupacks 10S-1P mit mit 3200 mA; Gewicht fertig verkabelt mit Einbauschlitten ca. 1020g. Davon hat das ältere bisher ca. 90 und das später zusätzlich eingesetzte ca. 60 Ladezyklen erfahren. Beide Packs sind nach wie vor voll leistungsfähig und wurden nicht weiter als ca. 3,3 Volt Restspannung je Zelle entladen. Es ist bisher kein deutlicher Kapazitätsabfall bemerkbar, allerdings sind bei dem älteren Pack im entladenen Zustand manchmal doch erhebliche Spannungsunterschiede zwischen den einzelnen Zellen zu registrieren. Die Ladung erfolgte mit Balancern der Type Hyper B5.

Bei einem F3A-Wettbewerbseinsatz in Kraiwiesen wurden jedoch die Akkus einmal überfordert, der Steigflug der vorletzten Figur konnte kaum mehr bewältigt werden. Unmittelbar nach der Landung war eine einzelne Zelle sehr heiß und begann sich aufzublasen, Ursache war möglicherweise ein Kurzschluss durch ein vorher durchgebranntes Kabel von der entsprechenden Zelle zum Balancer-Stecker. Sofort wurde die Zelle an Ort und Stelle abgeschlossen und aus dem Pack herausgenommen. Sie wurde später durch eine andere ersetzt, seither ist das Akkupack ohne Probleme wieder einsetzbar.

Es
kann also auf eine recht gute Saison zurückgeblickt werden; im Vergleich zu einem „Smaragd“ mit 23 cm3 Viertaktmotor „Yamada lmited“, der ebenfalls parallel geflogen wurde und bei einem einzelnen Bewerb eingesetzt wurde, schneidet der „E-Spin“ von der Leistung her sicherlich nicht schlechter ab, nachteilig bemerkbar machen sich das höhere Gewicht und die kürzere Flugzeit, die Flugeigenschaften sind noch in gewisser Weise unterlegen.
Für den Umstieg von Verbrenner auf Elektroflug sind erhebliche Investitionen erforderlich, ein Umstand, der zumindest in Österreich noch die meisten Wettbewerbspiloten davon abgehalten hat. Über die Haltbarkeit der Lipoly-Zellen kann noch keine Aussage gemacht werden, bei sorgfältiger Behandlung dürfte diese jedoch wesentlich höher sein als die so genannten 40 Zyklen, die gerüchteweise genannt werden.

Der allerwesentlichste Vorteil liegt im Wegfall der lärmbedingten Flugzeitbeschränkungen, denen sich die meisten Klubs – so auch unserer – unterwerfen müssen. In den Sommermonaten kann also bis zur Dämmerung geflogen werden, es kommen wesentlich mehr Flüge zustande, das macht sich schon am Knüppel positiv bemerkbar. Und für die nächste Saison ist bereits eine komplette Neukonstruktion geplant, in die die gemachten Erfahrungen einfließen und bei der die registrierten Nachteile (hoffentlich) beseitigt sind.

Anmerkung: über die spezifischen Bepowerungsanforderungen in der F3A Klasse sowie die damit verbundene richtige Auswahl und Dimensionierung des Antriebstranges, wird Franz im Laufe der Wintermonate 2005 / 2006 einen gesonderten Bericht verfassen.


Michael Mann


 
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